Die Wahrheit über Ritter Kahlbutz
Mehr als 300 Jahre lang erzählte man sich in Brandenburg, dass Ritter Christian Friedrich von Kahlbutz ein Mörder gewesen sei. Angeblich soll er einen Hirten getötet haben und mit einem Meineid davongekommen sein. Weil sein Leichnam bis heute ungewöhnlich gut erhalten ist, galt das für viele als Zeichen einer göttlichen Strafe.
In einer monatelangen interdisziplinären Untersuchung analysierten Forschende, der Medizinischen Hochschule Brandenburg, die Mumie mithilfe moderner Methoden, darunter CT-Scans, DNA-Analysen und historische Quellenforschung. Ziel war es, Klarheit über die Todesursache und die Identität des Ritters zu gewinnen.
Dabei fanden die Forschenden keine Hinweise auf einen gewaltsamen Tod. Knochenbrüche oder Verletzungen, die auf einen Mord hindeuten könnten, fehlten vollständig. Stattdessen starb Kahlbutz vermutlich an Krankheit oder altersbedingten Ursachen. Auch der bekannte Bleistift im Mund und die Münzen, die man an seinem Körper fand, haben nichts mit einer Strafe oder einem Meineid zu tun, sondern wurden erst später aus praktischen oder symbolischen Gründen hinzugefügt. Historische Quellen liefern ebenfalls keinen Beweis für den angeblichen Mord an dem Hirten.
Mit ihrer Studie korrigieren die Forschenden nicht nur ein jahrhundertealtes Fehlurteil, sondern zeigen auch, wie moderne Medizin und Geschichtswissenschaft gemeinsam Mythen entlarven können. Ritter Kahlbutz bleibt zwar eine faszinierende historische Figur, jedoch nicht länger als Mörder.
Quelle: Märkische Allgemeine Zeitung, Artikel vom 31. Jan/1. Feb. 2026 von Alexander Beckmann