Ortsfamilienbücher


TitelOFB Voigtsdorf
Zeitraum1700-1900
Herausgeber
AutorNorbert Bosse
Linkhttps://www.online-ofb.de/voigtsdorf/
 

Der Name des Ortes lautete zuerst 1305 Voghedystorp, 1337 Vogtzstorp, 1338 Voydsdorp, 1368 Voystorp, 1837 Vogtsdorf, anschließende Voigtsdorf und heute Kurzycko.

Der Ort liegt ca. 39 m über dem Meeresspiegel, südlich von Bärwalde (Mieszkowice) und besteht aus kleinen Bauernhöfen. Im Laufe der Jahrhunderte hatte der Ort viele Besitzer. Am längsten war er im Besitz der Familie von Sydow (1466–1691), von denen der Erbherr Cuno von Sydow, kurfürstlich brandenburgischer Hof- und Mannrichter des Markgrafen Friedrich II., mit Katharina von Ellingen hier einen Familienzweig gründete. Die Voigtsdorfer Linie gehört zum neumärkischen Stamm derer von Sydow.

Kleine Chronik zu Voigtsdorf:

08.10.1305 wird ein Gerhard Voydsdorp (Gherardi de Voghedystorp, Nostre curie Notarii∥ erwähnt, welcher einem Rittergeschlecht angehört haben soll. Dieser war ein Notarius des Brandenburger Markgrafen und soll im 14. Jahrhundert hier sesshaft gewesen sein.

20.9.1338 belehnt Markgraf Ludwig den Nicolaus Voigtsdorf mit Besitzungen in Voigstdorf.

Am 14.12.1351 wird das Dorf zum Lehen der Familie von Mörner auf Zellin (Czelin).

1372 gehört die Hälfte des Dorfes dem Tydecke Elsholtz (auch Melzholtz), welcher auch Schönfeld (Sitno) bei Bärwalde besitzt.

Am 07.03.1372 verleiht Markgraf Otto dem Martin Hünerjäger 4 Hufe Land in Voigtsdorf, eine halben Fischerei und zwei Kossätenhöfe.

1466 wird Cuno von Sydow Erbherr auf Voigtsdorf vom Markgraf Friedrich II. mit dem Stadtgericht zu Bärwalde belehnt.

1471 ist Cuno von Sydow Hof– und Mannrichter zu Bärwalde.

Am 09.05.1499 wird Cuno von Sydow vom Kurfürsten Joachim I. erneut mit Voigtsdorf (12 Hufen Land) und dem Stadtgericht zu Bärwalde belehnt.

Am 02.11.1509 werden Joachim von Sydow und seine Brüder Brendict, Mathias, Joachim und Michael vom Vogt der Neumark, dem Mathias von Uchtenhagen, mit Voigtsdorf (24 Hufen Land) und dem Stadtgericht zu Bärwalde belehnt.

Am 25.02.1512 verkauft Kerstin Steinbeck zu Voigtsdorf dem Rat zu Königsberg in der Neumark eine Rente.

Am 09.02.1517 belehnt Kurfürst Joachim I. die "e;von Sydow" mit einem in Voigtsdorf selbst erkauften Hofe.

Am 20.06.1536 belehnt Markgraf Johann den Joachim von Sydow mit 32 Hufen Land in Voigtsdorf und dem Stadtgericht zu Bärwalde.

1544 besitzt Heinrich von Sydow 32 Hufe Land in Voigtsdorf und ist Inhaber des Stadtgerichts zu Bärwalde.

1608 hat die Familie von Sydow in Voigtsdorf 2 Rittersitze und teilt mit dem Rat von Bärwalde die Gerichtsbarkeit in Voigtsdorf.

1657 verkauft Heinrich von Sydow die Hälfte seines Nachlasses an Wolf Heinrich von Horcker und heiratet dessen Schwester.

1691 erwirbt Landrat Heine Detlov von Phuhl auf Schulzendorf eine Hälfte des Guts von Hans Ehrenreich dem Jüngeren von Sydow.

1696 erwirb Heine von Pfuhl erwirbt einen Teil des Nachlasses von Wolf Heinrich von Horcker.

1776 kauft die Baroness Henriette Gottliebe von Schrötter, verheiatete von Kleist, den Ort vom Landrat von Phuhl auf Schulzendorf.

1779 verkauft die Baroness den Ort an Ernst Bógislaus von Wobeser (1724–1801), welcher auch Grundbesitz in Bellin (Bielin) und Gossow (Goszków) hat.

1801 verkauft Ernsts Bógislaus Sohn, Generalleutnant Karl Georg Friedrich von Wobeser (1750–1823) auf Bellin, den Ort an die Familie von Rohr auf Oegeln bei Beeskow.

1802 kauft der Amtsrat Eisenhardt auf Beeskow den Ort für 20.000 Taler.

1813 erwirbt den Ort der Amtmann Kranz zu Jahnsfelde.

1815 gehört das Dorf durch die neue Verwaltungsreform zum Kreis Königsberg in der Neumark (Chojna) in Brandenburg.

1817 erbt die Tochter Rosalie Kranz das Dorf. Diese heiratet den den Oberamtmann Funk zu Quartschen (Chwarszczany).

1852 geht der Ort nach dem Tod der Rosalie Funk in den Besitz der Schwester, einer verheirateten Haase aus Schwiebus (Świebodzin) über.

1866 ist Carl Goltz Rittergutsbesitzer in Voigtsdorf.

1929 erwirbt Karl Erich Baarth, Sohn des ehemaligen Landrats des Kreises Posen-Ost und Regierungsrat im Berliner Polizeipräsidium, Gottlieb Rudolph Otto Robert Arthur Baarth, das Anwesen von der Familie Goltz. Das Anwesen umfasste 1.092 Hektar Land. Er wird Landwirt zu Voigtsdorf und Reichsbauernrat sowie Generallandschaftsrat. Am 02.02.1945 stirbt er auf der Flucht vor den Russen.

Am 04.02.1945 wird der Ort durch die 5. Armee der 1. Weißrussischen Front beschlagnahme. Die Deutschen werden vertrieben und es erfolgt ein Zustrom von Siedlern aus den östlichen Grenzgebieten.

Heute heißt der Ort Kurzycko und gehört zur Gemeinde Mieszkowice (ehemals Bärwalde) im Powiat Gryfiński der polnischen Woiwodschaft Westpommern.

Ein Dankeschön an:

Raimund Koch für die überlassung von Personendaten aus seiner Neumark-Sammlung

Weiteres über Voigtsdorf:

Die Seite von Mateusz Atroszko mit Bildern über Voigtsdorf in der Neumark: http://neumark.pl/main.php?miasto=kurzycko&lang=de

Genutzte Quellen:

Kirchenbücher aus den Orten westlich der Oder, welche man bei Ancestry, Familysearch und Archion einsehen kann.

Literatur:

  • von Mülverstedt – Der abgestorbene Adel der Provinz und Mark Brandenburg, Verlag von Bauer und Raspe, Nürnberg, 1880, Seite 25 + 106 zu Familie Elsholtz + Wobeser
  • Berghaus – Geographisch–Historisch–Statistisches Landbuch der Provinz Brandenburg und des Markgrafthums Niederlausitz in der Mitte des 19. Jhrhndts, Verlag A. Müller, Brandenburg, Band 3, 1856, Seite 424 zu Familie Haase
  • Adolph Friedrich Riedel – Codex diplomaticus brandenburgensis, Verlag F. H. Morin, Berlin, 1863, Seite 26, 84 + 227 zu Nicolaus Voigtsdorf
  • Hans von Sydow – Genealogie der Familie von Sydow, Verlag Stargard, Berlin, 1898, Seite 350
  • Adolph Friedrich Riedel – Codex diplomaticus brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellenschriften für die Geschichte der Mark Brandenburg und ihrer Regenten, Band 19, Verlag Reimer, Berlin, 1860
  • Jahrbuch des deutschen Adels, Verlag W. T. Bruer, Berlin, Band 3, Seite 513 zu Familie Sydow

Wappen von Sydow:

In Schwarz ein silberner Innenbord, auf dem gekrönten Helm mit schwarz-silbernen Decken zwei natürliche Kratzdisteln mit rotem Blütenstand, grünem Blütenstandskelch und sich überkreuzenden beblätterten grünen Stengeln.

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