Kirchenbücher und Kirchenbuchduplikate


Was sind Kirchenbücher?

Erst 1874 ging das Personenstandswesen mit der Einführung der Standesämter in staatliche Hände über. Geburten, Heiraten und Sterbefälle müssen seitdem beim zuständigen Standesamt angezeigt und erfasst werden. Früher war dies jedoch Sache der Kirchen.

Die Daten der Standesämter reichen meist zurück bis etwa Mitte des 19. Jahrhunderts. Will man weiter zurück in die Vergangenheit, dann kommt man an den Kirchenbüchern der jeweiligen Pfarrgemeinden nicht vorbei. Kirchenbücher – im amtlichen Sprachgebrauch als Amtshandlungsverzeichnisse bezeichnet – wurden bereits seit dem 15. Jahrhundert und unabhängig von Stand, Geschlecht und Vermögen einer Person geführt und darin sämtliche kirchliche Amtshandlungen beurkundet. In Brandenburg reichen die allermeisten heute noch existierenden Kirchenbücher jedoch nur bis ins 17. Jahrhundert zurück.

Allgemein bekannt und auch heute noch in den einzelnen Pfarreien geführt werden Taufbücher, Konfirmationsbücher, Trauungsbücher und Beerdigungsbücher. Zu den Kirchenbüchern werden im landläufigen Sprachgebrauch auch die im 19. Jahrhundert aufgekommenen Familienregister gezählt, auch wenn in ihnen keine Beurkundung einer kirchlichen Amtshandlung erfolgt. Zur Gruppe der heute nicht mehr gebräuchlichen Kirchenbücher gehören zudem die Verlobungsbücher (Proklamationen), die Kommunikantenregister, in denen die Abendmahlsteilnehmer verzeichnet wurden, sowie die Seelenregister, seit ungefähr Mitte des 18. Jahrhunderts als Vorläufer der Familienregister geführt wurden.

Für die Provinz Brandenburg existieren zudem auch eine Vielzahl an Kirchenbuch-Duplikaten. Diese Abschriften wurden von ca. 1795 bis zur Einführung der Standesämter im Jahr 1874 im Auftrag des jeweils zuständigen Amtsgerichts angefertigt und nach Ende eines jeden Jahres dort abgegeben.


Wo kann ich die Kirchenbücher einsehen?

Dies ist von Region zu Region unterschiedlich. Der größte Teil der Kirchenbücher der ehemaligen Mark Brandenburg befindet sich heute noch immer in den jeweiligen Pfarrgemeinden. Diese wurden jedoch zum überwiegenden Teil verfilmt und können daher als Verfilmung im Evangelischen Landeskirchlichen Archiv in Berlin (ELAB) im Bethaniendamm 29 in 10997 Berlin-Kreuzberg Montags bis Freitags von 9 bis 16 Uhr eingesehen werden.

Ein Teil dieser Kirchenbücher wurde inzwischen bereits digitalisiert und kann kostenpflichtig bei Archion, dem gemeinsame Portal der evangelischen Kirchen in Deutschland, online eingesehen werden. Und auch im Familienforschungs-Portal Ancestry (ebenfalls kostenpflichtig) sind einige, vor allem Berliner Kirchenbücher digitalisiert online einsehbar.

Kirchenbücher von uckermärkischen Orten, die zur evangelischen Nordkirche gehören (Propstei Pasewalk), können nach Voranmeldung beim zuständigen Pfarramt eingesehen werden.

Zahlreiche Kirchenbücher vor allem aus dem Havelland, Teilen von Prignitz und Barnim, dem Kreis Zauch-Belzig, der Region und Stadt Brandenburg und der Stadt Potsdam befinden sich zudem im Domstiftsarchiv Brandenburg, Burghof 10, 14776 Brandenburg und können dort Dienstags und Mittwochs von 9 bis 17 Uhr eingesehen. Ein Verzeichnis der dort deponierten Pfarrarchive (und damit auch Kirchenbücher) können hier online eingesehen werden.

Einige wenige erhaltene Kirchenbücher der Neumark befinden sich im Evangelischen Zentralarchiv Berlin (EZAB), welches sich ebenfalls im Bethaniendamm 29 in 10997 Berlin befindet und sich den Lesesaal mit dem ELAB teilt. Auch diese Bücher wurden zum Teil bereits digitalisiert und sind ggf. bei Archion online einsehbar. Darüberhinaus befinden sich einige Neumärkische Kirchenbücher in polnischen Staatsarchiven. Diese betreiben das gemeinsame Portal Szukaj W Archiwach. Hier können Sie nach Beständen suchen, und sofern bereits digitalisiert, die gefundenen Kirchenbücher online durchblättern.

Die Kirchenbücher der Altmark sind zum überwiegenden Teil bereits verfilmt worden und können im Landeskirchenarchiv Magdeburg, Freiherr-vom-Stein-Str. 47, 39108 Magdeburg, Montags bis Donnerstags 8:30 Uhr bis 15 Uhr als Verfilmung eingesehen werden. Hierfür ist allerdings eine Anmeldung vorab erforderlich, da die Plätze begrenzt sind.

Brandenburgische Kirchenbuch-Duplikate befinden sich im Brandenburgischen Landeshauptarchiv, Am Mühlenberg 3, 14776 Potsdam-Golm und können dort Montags, Dienstags und Mittwochs von 8 bis 16 Uhr, Donnerstags von 10 bis 18 Uhr sowie Freitags von 8 bis 14 Uhr eingesehen. Ein großer Teil dieser Kirchenbuch-Duplikate kann auch als Digitalisat online bei Familysearch (kostenfrei) eingesehen werden.


Weitere Hilfreiche Links zum Thema Kirchenbücher in Brandenburg

Datenbank für Kirchenbuchabschriften


Kirchenbücher bei Archion

Verfilmte Kirchenbücher des Kreises Havelland im ELAB
Verfilmte Kirchenbücher des Kirchenkreises Angermünde im ELAB
Verfilmte Kirchenbücher des Kirchenkreises Prenzlau im ELAB
Verfilmte Kirchenbücher des Kirchenkreises Templin im ELAB

Verfilmte Kirchenbücher der Uckermark bei Familysearch
Verfilmte Kirchenbücher der Prignitz bei Familysearch

Kirchenbücher aus der Neumark im EZAB
Kirchenbuch-Duplikate der Provinz Brandenburg