Mehr als 350 Jahre Kulturgeschichte unter einem Dach

470 Millionen Euro sind in die größte Universalbibliothek Deutschlands investiert worden. Vom Ergebnis der Sanierungsarbeiten kann sich jeder – allerdings nur digital – am Montag überzeugen. Thomas Prinzler zeichnet die bewegte Geschichte der „Stabi“ nach.

Es war 1661, als Friedrich Wilhelm von Brandenburg, der Große Kurfürst, seine Büchersammlung für die Öffentlichkeit frei gab. Mit der „Churfürstlichen Bibliothek zu Cölln an der Spree“ war der Grundstein für die spätere „Königliche Bibliothek“ gelegt. Untergebracht wurde sie zunächst im Berliner Schloss, ehe sie mit der Kommode am Opernplatz ihr erstes eigenes Gebäude bekam. Doch die gewachsenen Bücherbestände – Ende des 19. Jahrhunderts umfasste die Sammlung bereits 1,2 Millionen Bände und 30.000 Handschriften – erforderten ein größeres und modern ausgestattetes Gebäude. Das entstand ab 1904 auf dem Gelände neben der Berliner Universität.

Im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört

Es war das letzte große repräsentative Gebäude, das der deutsche Kaiser Wilhelm II. im Jahr 1914 einweihen konnte. 170 mal 107 Meter groß, 28 Meter hoch, mit markanten Kuppeln über dem Eingang Unter den Linden und über dem Lesesaal. Im Inneren gab es 13 Etagen für Lesesäle und Buchmagazine. Schnell wurde die Königliche Bibliothek zur bedeutendsten Bibliothek Deutschlands.

Mit der Weimarer Republik wurde die nun Preußische Staatsbibliothek mit Universitäts- und Akademiebibliothek zum wissenschaftlichen und kulturellen Zentrum Berlins, bis sie im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs weitestgehend zerstört wurde, insbesondere der große Kuppel-Lesesaal.

Zu DDR-Zeiten nur notdürftig instandgesetzt, war das Gebäude Anfang der 1990er Jahre nicht mehr standsicher. Die Holzpfähle, auf denen die Bibliothek gegründet war, waren durch den Bau des Palastes der Republik trocken gefallen und mussten durch Stahlbetonpfeiler ersetzt werden. Diese 1995 begonnene 50 Millionen Mark teure Gründungssanierung war Voraussetzung für die Grundinstandsetzung des Altbaus und für den Neubau, unter anderem für den zentralen Lesesaal.

Alte Pracht mit hochmodernem Innenleben

Sieger im Architekturwettbewerb wurde das Büro von HG Merz aus Stuttgart. Mit dem ersten Spatenstich 2005 verband sich die Hoffnung, nach sieben Jahren fertig zu sein. Doch 2012 war zunächst nur der erste Bauabschnitt mit dem Neubau des Lesesaals vollendet.

Verdeckte und unkalkulierbare Schäden am Gebäude führten zu Verzögerungen. Maßgeblich dafür waren verzogene Stahlträger im Tragwerk, die aufwändige Sanierung des Stahlskeletts des Lipmann-Regalsystems der sieben Magazinetagen, an dem Fassaden- und Deckenelemente befestigt sind, sowie der Neubau aller 1.200 Fenster, so dass der zweite Bauabschnitt bis zum vergangenen Jahr dauerte. Insgesamt kostete die Sanierung 470 Millionen Euro. Jetzt erstrahlt die Staatsbibliothek Unter den Linden in alter Pracht mit einem hochmodernen Innenleben.

Wichtige Information für Besucherinnen und Besucher:
Die 620 Arbeitsplätze in den sieben Lesesälen müssen noch leer bleiben. Coronabedingt kann die neu gestaltete Bibliothek vorerst nur digital über die Internetseite der Staatsbibliothek [staatsbibliothek-berlin.de] erkundet werden, vom 8. Februar an ist zunächst wieder ein eingeschränkter Ausleihbetrieb vorgesehen.

Quelle:
https://www.rbb24.de/kultur/beitrag/2021/01/berlin-staatsbibliothek-sanierung-eroeffnung-geschichte.html

Bild:
Staatsbibliothek zu Berlin – PK