Ringschluss der Roten Armee bei Ketzin im Jahr 1945

Ketzin ist eigentlich ein kleiner Ort. Doch in der Weltgeschichte spielt er eine große Rolle. Am 25. April 1945 schlossen die Einheiten der sowjetischen Armee den Ring um die Hauptstadt Berlin. Zuvor war die Lage dort sehr beängstigend. Seit Tagen gab es keinen elektrischen Strom mehr und das damalige Gaswerk hatte die Produktion eingestellt. Selbst die Sirenen heulten nicht mehr, um die Bewohner auf das Anfliegen feindlicher Flugzeuge hinzuweisen. Nach sechs Jahren Krieg fielen die ersten Bomben am 24. April 1945 auf Ketzin.

Aus zwei Richtungen kämpften sich die Truppen der Roten Armee an Ketzin heran. Die Soldaten der 1. Belorussischen Front näherten sich der Stadt nachdem sie die Dörfer Etzin und Knoblauch eingenommen hatten.

Danach trafen sich Offiziere der 328. Schützendivision der 1. Belorussischen Front mit Offizieren des 6. mechanisierten Gardekorps der 1. Ukrainischen Front im Gasthaus „Deutsches Haus“, heute Rathausstraße 26, um ein Dokument über das Zusammentreffen ihrer Einheiten anzufertigen und den Ringschluss um Berlin und das weitere Vorgehen der Armeen festzulegen. Zudem hatte Stalin festgelegt, dass Berlin vom Marschall der Sowjetunion Shukow, dem Stellvertreter Stalins, erobert werden sollte. Der Marschall der Sowjetunion Konew, Befehlshaber der 1. Ukrainischen Front, musste seinen Feldzug nach Süden fortsetzen. Wie er selbst in seinen Memoiren schreibt, war er darüber etwas verärgert. Dafür hatte er die „Ehre“, noch im hohen Alter als Oberkommandierender der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland beim Bau der Berliner Mauer eingesetzt zu werden.

In Ketzin wurde am 30. Jahrestag des Ringschlusses ein Denkmal auf dem Marktplatz eingeweiht. Es bestand aus einem Granitblock mit einer Tafel, welche auf den Zusammenschluss der beiden Armeen hinwies. Am ehemaligen „Deutschen Haus“ wurde eine Gedenktafel angebracht, die auf die Unterzeichnung des oben genannten Dokumentes hinwies. Beide Tafeln verschwanden in einer Nacht- und Nebelaktion zur Wendezeit. So hat jedes Herrschaftssystem seine Denkmalsstürmer.

Quelle: Märkische Oderzeitung