Dr. Gerd-Christian Treutler und Thomas Kraft werfen die Frage auf: warum wird aus der Pfarrerdatenbank ein Amtsträgerdatenbank?
Pfarrerskinder gelten als eigene Spezies: Wer im Pfarrhaus aufwächst, so die verbreitete Vorstellung, wird von dieser besonderen Lebenswelt geprägt. Doch was verändert sich,
wenn an die Stelle des konkreten Pfarrers der abstraktere Begriff des „Amtsträgers“ tritt? Wandelt sich damit auch der Blick auf Herkunft, Lebenswelt und Prägung?
Die Begriffe sind keineswegs nebensächlich. Ein Pfarrer ist nicht einfach ein Beamter; ein Kirchenbeamter wiederum nicht automatisch ein Pfarrer. Kirchliches Amt, kirchlicher Dienst und beamtenrechtlicher Status bezeichnen unterschiedliche Ebenen.
Gleichzeitig waren und sind weltliche und geistliche Amtsträger in vielen Lebensbereichen enger miteinander verbunden, als es die Begriffe zunächst vermuten lassen. Diese Verbindung entstand nicht allein durch institutionelle Zusammenarbeit. Sie wurde auch durch persönliche Beziehungen, Familien und Bildungswege geprägt.
Ein besonders anschauliches Beispiel sind die Pfarrhäuser. Pfarrer lebten nicht isoliert von der weltlichen Gesellschaft. Ihre Familien waren Teil des örtlichen Bildungs- und Verwaltungsbürgertums. Ehen konnten Verbindungen zwischen Pfarrfamilien und Familien von Lehrern, Beamten, Juristen oder anderen akademisch gebildeten Berufen schaffen. Auf diese Weise entstanden über Generationen hinweg Netzwerke, in denen sich kirchliche und weltliche Lebenswelten miteinander verbanden.
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