Sorben Archive - Brandenburgische Genealogische Gesellschaft Roter Adler e. V: https://www.bggroteradler.de/tag/sorben/ Familien- und Regionalgeschichtsforschung in Brandenburg Mon, 08 Sep 2025 12:12:28 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.3 Namensforscher Walter Wenzel verstorben https://www.bggroteradler.de/namensforscher-walter-wenzel-verstorben/ Mon, 08 Sep 2025 12:12:28 +0000 https://www.bggroteradler.de/?p=11783 Zum Tod des Namensforschers Prof. Dr. phil. habil. Walter Wenzel (1929 – 2025) Wolfgang Bauch (Cottbus), Forschungsstelle Niederlausitz der BGG Bald nach Beginn der Befassung mit meiner Familiengeschichte im Altkreis Liebenwerda, die ich immer auch im Kontext mit der Regionalgeschichte sehe, fand ich immer mehr Familiennamen niedersorbischen/wendischen Ursprungs. Ich begann mich mit den in der Region weitgehend in der kollektiven Erinnerung der Bevölkerung erloschenen sorbischen Wurzeln zu befassen, die sich in Familien-, Orts- und Flurnamen, aber auch in Pflanzen- und [...]

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Zum Tod des Namensforschers Prof. Dr. phil. habil. Walter Wenzel (1929 – 2025)

Wolfgang Bauch (Cottbus), Forschungsstelle Niederlausitz der BGG

Bald nach Beginn der Befassung mit meiner Familiengeschichte im Altkreis Liebenwerda, die ich immer auch im Kontext mit der Regionalgeschichte sehe, fand ich immer mehr Familiennamen niedersorbischen/wendischen Ursprungs. Ich begann mich mit den in der Region weitgehend in der kollektiven Erinnerung der Bevölkerung erloschenen sorbischen Wurzeln zu befassen, die sich in Familien-, Orts- und Flurnamen, aber auch in Pflanzen- und Tiernamen, weiteren Begrifflichkeiten sowie in Tradition und Bräuchen erhalten haben, jedoch zumeist als solche nicht mehr erkannt werden. Bei der Suche nach seriösen Quellen wurde ich neben dem herausragenden Sorabisten Ernst Mucke (Arnošt Muka, 1854 – 1932) bald auf Walter Wenzel aufmerksam. Seine insbesondere für den interessierten Familien- und Heimatforscher wertvollen, im Domowina-Verlag erschienen Standardwerke

  • Niedersorbische Personennamen aus Kirchenbüchern des 16. bis 18. Jahrhunderts (Bautzen 2004),
  • Lausitzer Familiennamen slawischen Ursprungs (Bautzen 2020) und
  • Niederlausitzer Ortsnamenbuch (Bautzen 2006)

sind mir immer wieder eine große Hilfe bei den Recherchen. Folgerichtig habe ich Walter Wenzel in meinen Veröffentlichungen schon sehr häufig zitiert und werde dies natürlich auch weiter tun.

Am 17. Juni 2025 ist der Namensforscher und Professor für slawische Sprachgeschichte und Namenforschung Walter Wenzel im gesegneten Alter von 96 Jahren in Leipzig verstorben. Prof. Dr. Wenzel gilt als der Fachmann insbesondere für sorbische Personen- und Ortsnamen. Seine umfangreichen Publikationen stellen den aktuellen Stand der Forschung dar. Allein die Zahl seiner Fachbücher, Aufsätze, Rezensionen und Forschungsberichte ist beeindruckend.

Geboren wurde Walter Wenzel am 20. Januar 1929 in Hermsdorf/Heřmanice (Kreis Leitmeritz/Litoměřice, Tschechoslowakei) als Sohn des Bauern Ernst Wenzel und der Bäuerin Emilie Wünsch. 1946 verschlug es ihn in die Sowjetische Besatzungszone, zunächst nach Uebigau im damaligen Kreis Liebenwerda (heute Land Brandenburg, Landkreis Elbe-Elster). Nur erahnen kann man anhand seiner Vita, dass das Verlassen seiner Heimat mit der Vertreibung der Deutschböhmen aus ihrem angestammten Siedlungsgebiet nach dem Ende des 2. Weltkriegs im Zusammenhang gestanden haben muss. Was er mitnahm, war die Erfahrung eines zweisprachigen Umfeldes (deutsch und tschechisch).

Nach dem Abitur 1949 in Gotha absolvierte er an der Leipziger Universität ein Studium der Slawischen Philologie. Nach dem Staatsexamen 1953 war er über viele Jahre als Lektor für Russische Sprache an der Leipziger Karl-Marx-Universität tätig. 1980 wurde er als Hochschuldozent berufen, 1990 als Außerordentlicher Professor für Geschichte der Russischen Sprache. 1994 trat er in den Ruhestand ein.

Promoviert wurde er 1960 zu „Die Ortsnamen des Schweinitzer Landes“ (Promotion A), 1979 zu „Studien zur sorbischen Anthroponymie [Lehre von den Personennamen] nach Quellen des 14. bis 18. Jahrhunderts aus dem deutsch-slawischen Sprachkontaktraum an der Schwarzen Elster“ (Promotion B). Hier offenbart sich seine thematische Verbundenheit zu der heute als Elbe-Elster-Land bezeichneten Region. Der Landkreis Schweinitz (Promotion A) grenzte an den Kreis Liebenwerda und gehört aktuell zumindest teilweise zum Landkreis Elbe-Elster.

Sein Hauptforschungsgebiet waren slawische, insbesondere sorbische Orts- und Personennamen, die er auch nach seiner Emeritierung 1994 weiter untersuchte. Er forschte und publizierte bis ins hohe Alter und bereicherte die Arbeit zahlreicher, insbesondere historischer und namenskundlicher Gesellschaften und Vereine.

„Ein Markenzeichen Wenzelscher Arbeit war die systematische vergleichende Einbeziehung der Ergebnisse von Siedlungsgeschichte, historischer Geographie und Kartographie in seine Untersuchungen.“

[vgl. Nachruf inomastikblog]

Quellen:

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Wenzel

Veröffentlichung der Universität Leipzig: https://research.uni-leipzig.de/agintern/CPL/PDF/Wenzel_Walter.pdf

Nachruf von Dr. Inge Bily (Leipzig) auf Walter Wenzel auf onomastikblog der Gesellschaft für Namenforschung (GfN) e.V. Leipzig: https://www.onomastikblog.de/nachruf-walter-wenzel/

Bildnachweis: https://www.onomastikblog.de/nachruf-walter-wenzel/

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Niedersorbische (wendische) Ortsnamen als Audiodateien abrufbar https://www.bggroteradler.de/niedersorbische-wendische-ortsnamen-als-audiodateien-abrufbar/ Wed, 23 Mar 2022 10:30:32 +0000 https://www.bggroteradler.de/?p=8118 So sollen auch nicht Wendisch-Sprechende die richtige Aussprache erlernen können. Mit ein wenig Mühe gelingt es die in Rede stehenden Seiten im Internet zu finden: Niedersorbische Ortsnamen anhören. Bei allem Respekt vor dieser Idee bleibt indes festzustellen, dass hier auch Ortsnamen aufgeführt sind, die als Kunstnamen nach der Wende entstanden sind und damit jeder historischen Basis entbehren. Als Beispiele seien Teichland oder Neu-Seeland angeführt. Wer sich einen tatsächlichen Eindruck über die Vielfalt und Vielzahl der Ortsnamen mit niedersorbischen Wurzeln in der [...]

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So sollen auch nicht Wendisch-Sprechende die richtige Aussprache erlernen können. Mit ein wenig Mühe gelingt es die in Rede stehenden Seiten im Internet zu finden: Niedersorbische Ortsnamen anhören.

Bei allem Respekt vor dieser Idee bleibt indes festzustellen, dass hier auch Ortsnamen aufgeführt sind, die als Kunstnamen nach der Wende entstanden sind und damit jeder historischen Basis entbehren. Als Beispiele seien Teichland oder Neu-Seeland angeführt. Wer sich einen tatsächlichen Eindruck über die Vielfalt und Vielzahl der Ortsnamen mit niedersorbischen Wurzeln in der Niederlausitz verschaffen will, dem sei das Niederlausitzer Ortsnamenbuch von Walter Wenzel (Domowina-Verlag Bautzen 2006) empfohlen. Nach dieser grundlegenden Information kann dann das neue Audioangebot eine gute Ergänzung sein.

Es greift auch zu kurz, das Thema Sorben und Wenden auf die heute verbliebenen Siedlungsgebiete in Brandenburg und Sachsen zu reduzieren. Vielmehr sollten wir uns beispielsweise vor Augen halten, dass wir es im heutigen Südbrandenburg noch vor wenigen hundert Jahren mit einem geschlossenen wendischsprachigen Siedlungsgebiet mit nur wenigen deutschen Sprachinseln (etwa um das Kloster Dobrilug) zu tun hatten. Wenn man mit offenen Augen durch unser Land geht findet man indes allenthalben Spuren der wendischen (niedersorbischen) Kultur und Geschichte: In Orts- und Flurnamen, bei Pflanzen- und Tiernamen, vor allem aber auch bei Familiennamen.

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Sorben gehören zu Brandenburg https://www.bggroteradler.de/sorben-gehoeren-zu-brandenburg/ Thu, 10 Feb 2022 11:36:52 +0000 https://www.bggroteradler.de/?p=7815 In jüngster Zeit ist es in Cottbus zu Aktionen gegen die zweisprachige Straßenbeschilderung in deutscher und sorbischer Sprache gekommen, berichtet das Studio Cottbus auf rbb24.de. Die Verursacher dieser Beschmierungen und Überklebungen haben offenbar historische Wissenslücken und ein zweifelhaftes Verständnis von Minderheitenrechten. Die Oberlausitz in Sachsen und die Niederlausitz in Brandenburg sind angestammtes Siedlungsgebiet der zu den Westslawen gehörenden Sorben/Wenden. Das spiegelt sich nicht nur in einer Vielzahl von Orts- und Flurnamen, sondern auch in unseren Familiennamen wieder. Durch die Erforschung [...]

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In jüngster Zeit ist es in Cottbus zu Aktionen gegen die zweisprachige Straßenbeschilderung in deutscher und sorbischer Sprache gekommen, berichtet das Studio Cottbus auf rbb24.de.

Die Verursacher dieser Beschmierungen und Überklebungen haben offenbar historische Wissenslücken und ein zweifelhaftes Verständnis von Minderheitenrechten. Die Oberlausitz in Sachsen und die Niederlausitz in Brandenburg sind angestammtes Siedlungsgebiet der zu den Westslawen gehörenden Sorben/Wenden. Das spiegelt sich nicht nur in einer Vielzahl von Orts- und Flurnamen, sondern auch in unseren Familiennamen wieder. Durch die Erforschung unserer Wurzeln kann so auch Familiengeschichtsforschung einen wichtigen Beitrag zu Toleranz und Miteinander leisten, denn wir haben alle viele verschiedene Wurzeln.

https://www.rbb24.de/studiocottbus/panorama/2022/02/sorben-schmierereien-strassenschilder-angriff-auf-zweisprachigke.html

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